Der Gulfhof Fresena – Geschichte und Herkunft
Traditionell gebaut, liebevoll bewahrt, neu belebt in Ostfriesland
„Mahnland“
Der ursprüngliche Gulfhof "Mahnland" mit seiner Beischeune wurde um 1896 von Jarg Arends errichtet und um 1908 von Rohlf Harms Kaufmann gekauft.
Der Name „Mahnland“ ist abgeleitet von „Allmende“, einem allgemein zugänglichen Land in Nachbarschaft des Hofes, auf dem Menschen ohne eigenen Grundbesitz ihr Vieh halten konnten.
Neben einer typisch ostfriesischen Landwirtschaft mit Kühen, Pferden und Hühnern betrieb die Familie Kaufmann in Sichtweite zum Hof bis kurz nach dem Zweiten Weltkrieg eine Ziegelei. Deren Schmiede mit Esse war in der Beischeune des Gulfhofs untergebracht.
Auf dem Hof waren ein Schmied und zwei Landarbeiter fest beschäftigt, in der Ziegelei fanden im Sommer rund 30 Arbeiter Lohn und Brot.
Das Hauptgebäude brannte 1914 vollständig ab und wurde neu aufgebaut. Die Nebenscheune blieb verschont.
„Fresena“
Nach einigen Besitzerwechseln im Laufe der Zeit erwarb die Familie Smid aus Ihlow/Westerende 2018 den in großen Teilen verfallenen Gulfhof. Von Oktober 2020 bis zum Sommer 2022 sanierte sie das Gebäude aufwändig unter Begleitung durch den Denkmalschutz.
Im Vorderhaus, dem Gulf und der Beischeune entstanden unter Einbeziehung des typischen Ständerwerks 13 Ferienwohnungen. Etwa dort, wo sich früher die Schmiede befand, ist heute der großzügige Saunabereich. Mit der neuen Nutzung bekam der Hof zur Neueröffnung im Sommer 2022 einen neuen Namen, der an die Geschichte Ostfrieslands angelehnt ist: „Gulfhof Fresena“. Die Namen der einzelnen Appartements sind an die der alten ostfriesischen Häuptlingsfamilien wie „tom Brook“ oder „Cirksena“ angelehnt .
Im Vorderhaus wurden alle Außen- und Innentüren, die Außenfenster und deren Glas, die Innentreppe und ein Teil der Fußböden aus der Zeit des Wiederaufbaus nach dem Brand 1914 originalgetreu aufbereitet und erhalten.
Auch die beiden so genannten Tennen - Verbindungen zwischen den großen Scheunentüren -, der so genannte Dunkelgang zwischen Gulf und Vorderhaus und die steinerne Brücke zum ursprünglichen Grundstückszugang wurden erhalten.
Die einem Burggraben ähnliche Anlage zur Aufnahme von Regenwasser hat immer noch ihre Funktion und ist notwendig zur Entwässerung des tiefliegenden Grundstücks.
Der Name Fresena beruht auf dem bekannten Ausruf der so genannten Friesischen Freiheit "Eala Frya Fresena" - "Steht auf ihr freien Friesen". Die Antwort darauf ist "Leever dood as Slaav" - "Lieber tot als Sklave".
Zeitzeugen
Als Zeitzeugen für die historischen Informationen konnten wir mit Gertrud Degenaar geb. Kaufmann und Dr. Rohlf Kaufmann sprechen. Rohlf Kaufmann, Jahrgang 1941, ist vermutlich der Letzte, der auf dem Hof Mahnland geboren wurde.
Hier ein persönlicher Bericht mit freundlicher Genehmigung von Rohlf Kaufmann:
"Der Hof Mahnland wurde von meinem Großvater Rohlf Harms Kaufmann (1870 – 1958 ) um 1908 von dem Vorbesitzer Jarg Arends gekauft. Vorher wohnte er auf einem Hof bei der Knollenbrücke am Altendeichsweg gegenüber der von ihm ab 1900 gepachteten Ziegelei Bos-Erben. Mein Vater, Hermann Rudolf Kaufmann (1898 – 1963), ist anfangs noch von dort aus auf dem Altendeichswg zur Schule Westermarsch I gelaufen. Dann erbaute mein Großvater 1904 eine eigene Ziegelei an der später nach dieser benannten Ziegeleistraße (vorher Widderweg ) und kaufte dann Mahnland. Im Jahr 1914 ist das gesamte Hauptgebäude abgebrannt. Nur die Nebenscheune blieb verschont. Es wurde in der Familie erzählt, dass der jüngste Sohn Reinhard als Vierjähriger in der Scheune mit Streichhölzern gespielt habe, dann zu seinem Vater gerannt sei und gerufen habe: „Papa, Huus brant !".
Von dem alten Haus übriggeblieben war ein altmodisches Fenster, dessen ganze untere Hälfte man hochschieben konnte, Dieses wurde im wieder aufgebauten Hof im sog. Karnhuus in der Mauer zum dahinter liegenden dunklenTeil mit Wäschekochofen verbaut.
Möglicherweise stammt auch die schöne Tür mit den dekorativen farbigen Glaseinsätzen, welche jetzt in der Nebenscheune verbaut ist, noch von dem Altbau des Hofes.
Für das Ständerwerk wurden beim Wiederaufbau nach 1914 teilweise Schiffsmasten und Rahen etc. von abgewrackten Segelschiffen verwendet, die damals angeboten wurden und preisgünstiger waren als neues Holz. Diese Hölzer habe ich früher im hinteren Teil der Scheune vom Boden über dem Pferdestall aus betrachtet. Sie hatten tlw. grauen Farbanstrich und Spuren von Zimmermannsbearbeitung wie Abflachungen und Durchbohrungen, die nur für die frühere Verwendung auf dem Schiff erklärbar waren."
„Wi sünd aal blied, dat dat nu so is“
Frau Degena, geborene Kaufmann (im Bild rechts), ist auf dem Gulfhof „Mahnland“ aufgewachsen und hat bis zu ihrer Hochzeit 1964 hier gelebt. Im Sommer 2022 besichtigte sie mit ihrer ganzen Familie den Gulfhof „Fresena“. Mit auf dem Foto sind die neuen Besitzer Susanne und Thomas Smid.


